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Studien & Laborpraxis

Lyophilisat lösen und Konzentrationen berechnen

Aus einem trockenen Pulver wird eine Lösung mit bekannter Konzentration. Das ist Routine im Labor, aber jeder Fehler beim Volumen pflanzt sich in alle folgenden Versuche fort.

  • BereichLabor
  • Zuletzt geprüft
  • Lesezeitetwa 8 Minuten

Rekonstitution bedeutet, ein gefriergetrocknetes Peptid wieder in Lösung zu bringen. Ziel ist eine Stammlösung mit genau bekannter Konzentration, aus der sich Aliquots für Versuche entnehmen lassen. Die Anleitung unten folgt gängiger Laborpraxis und den Hinweisen im Rekonstitutionsleitfaden von Peptides EU. Sie ersetzt nicht die Standardarbeitsanweisung (SOP) Ihres Labors.

Das passende Lösungsmittel

LösungsmittelEigenschaftTypischer Einsatz
Bakteriostatisches Wassersteriles Wasser mit 0,9 % Benzylalkohol, hemmt KeimwachstumStammlösungen, die über Tage mehrfach angestochen werden
Steriles Wasserohne KonservierungsmittelEinmalgebrauch, Zellkultur, wenn Benzylalkohol stören würde
Verdünnte Essigsäure (z. B. 0,1 %)leicht sauerbasische oder schlecht lösliche Sequenzen nach SOP
Puffer (PBS u. a.)physiologischer pHVerdünnungen direkt für den Versuch, weniger für Stammlösungen

Schritt für Schritt

  1. Vial akklimatisieren

    Das Vial aus dem Gefrierschrank nehmen und verschlossen auf Raumtemperatur kommen lassen. So kondensiert keine Luftfeuchtigkeit auf dem Pulver.

  2. Volumen festlegen

    Die Konzentration ergibt sich aus Vialinhalt geteilt durch Lösungsmittelvolumen: 10 mg in 2 ml ergeben 5 mg/ml. Wählen Sie das Volumen so, dass Ihre geplanten Aliquots in einem gut pipettierbaren Bereich von etwa 50 bis 500 µl liegen.

  3. Desinfizieren

    Gummistopfen von Vial und Lösungsmittelflasche mit 70-prozentigem Alkohol abwischen und trocknen lassen. Sterile Spritze oder Pipettenspitze verwenden.

  4. Langsam zugeben

    Das Lösungsmittel an der Innenwand des Vials herunterlaufen lassen, nicht direkt auf den Pulverkuchen spritzen. Ein harter Strahl erzeugt Schaum und mechanischen Stress.

  5. Schwenken statt schütteln

    Sanft schwenken oder zwischen den Handflächen rollen, bis die Lösung klar ist. Kräftiges Schütteln kann Peptide aggregieren lassen. Manche Sequenzen brauchen einige Minuten.

  6. Prüfen

    Die Lösung sollte klar und partikelfrei sein. GHK-Cu ist durch das Kupfer typischerweise blau. Trübungen oder Flocken notieren und die Lösung nicht verwenden.

  7. Beschriften und aliquotieren

    Name, Konzentration, Charge und Datum auf das Vial schreiben. Für längere Aufbewahrung in Mikroreaktionsgefäße aufteilen und einfrieren.

Verdünnungsrechner

Tragen Sie den Vialinhalt, das Lösungsmittelvolumen und die gewünschte Menge pro Aliquot ein. Der Rechner gibt die Konzentration, das benötigte Volumen und die Anzahl möglicher Aliquots aus. Die Teilstriche beziehen sich auf eine U-100-Skala, bei der 100 Teilstriche einem Milliliter entsprechen.

Konzentration: 5 mg/ml · Volumen je Aliquot: 50 µl Reine Rechenhilfe für Laborverdünnungen. Sie berücksichtigt nicht den Netto-Peptidgehalt und ist keine Dosierhilfe.

Drei Rechenbeispiele

VialLösungsmittelKonzentrationVolumen für 500 µg
5 mg1 ml5 mg/ml100 µl
10 mg2 ml5 mg/ml100 µl
30 mg3 ml10 mg/ml50 µl
50 mg (GHK-Cu)5 ml10 mg/ml50 µl

Für sehr niedrige Konzentrationen, wie sie in Zellversuchen mit GHK-Cu üblich sind, ist eine serielle Verdünnung genauer als ein einziger großer Verdünnungsschritt. Beispiel: Die Stammlösung mit 10 mg/ml (rund 29 mmol/l, bezogen auf GHK mit 340 g/mol) in mehreren Zehnerschritten verdünnen, bis der Nanomolbereich erreicht ist.

Typische Fehler und wie man sie vermeidet

FehlerFolgeAbhilfe
Vial kalt geöffnetKondenswasser im Pulver, schnellerer Abbauverschlossen auf Raumtemperatur bringen
Strahl direkt auf den KuchenSchaum, Proteinverluste an der Grenzflächean der Glaswand entlang zugeben
mg und µg verwechseltKonzentration um Faktor 1000 falschEinheiten im Protokoll ausschreiben, Rechner nutzen
Volumen zu klein gewähltAliquots unter 10 µl, ungenaues PipettierenVolumen so wählen, dass Aliquots 50–500 µl betragen
Stammlösung mehrfach aufgetautAggregation, Gehaltsverlustsofort nach dem Lösen aliquotieren
Beschriftung vergessenCharge und Datum nicht mehr nachvollziehbarEtikett vor dem Lösen vorbereiten

Ein guter Test für das eigene Vorgehen ist das Laborjournal: Lässt sich aus den Notizen für jedes Aliquot rekonstruieren, aus welchem Vial, welcher Charge und welcher Stammlösung es stammt, wann es hergestellt wurde und welche Konzentration es hat? Wenn ja, sind die Ergebnisse späterer Versuche auch nach Monaten noch interpretierbar.

Haltbarkeit der Lösung

  • Gelöste Peptide kurzfristig bei 2–8 °C im Kühlschrank aufbewahren, aufrecht und lichtgeschützt.
  • Für längere Zeiträume aliquotieren und bei −20 °C oder −80 °C einfrieren.
  • Wiederholtes Auftauen und Einfrieren vermeiden; jedes Aliquot nur einmal auftauen.
  • Ohne Konservierungsmittel gelöste Proben möglichst rasch verbrauchen.
  • Die genaue Stabilität hängt von der Sequenz ab. Methionin, Cystein und Tryptophan oxidieren leichter, Asparagin neigt zur Deamidierung.

Ein häufiger Fehler ist, die Vialangabe mit dem Netto-Peptidgehalt gleichzusetzen. Wer exakte molare Konzentrationen braucht, rechnet mit dem im Analysezertifikat angegebenen Gehalt, sofern vorhanden. Mehr unter Reinheit & Lagerung.