Wichtig: Die folgenden Angaben stammen aus klinischen Studien, die unter ärztlicher Aufsicht mit pharmazeutisch hergestellten Präparaten stattfanden. Sie sind keine Dosierempfehlung. Forschungspeptide sind nicht zur Anwendung am Menschen bestimmt.
Warum Inkretin-Studien langsam steigern
Die häufigsten Nebenwirkungen von GLP-1-basierten Wirkstoffen betreffen den Magen-Darm-Trakt und treten vor allem dann auf, wenn die Dosis steigt. Deshalb beginnen alle großen Studien mit einer niedrigen Startdosis und erhöhen in festen Abständen, meist alle vier Wochen, bis zur Zieldosis. Diese Titration ist Teil des Studienprotokolls, und die Ergebnisse gelten nur für genau dieses Schema.
Semaglutid in STEP 1
In STEP 1 erhielten 1961 Erwachsene ohne Diabetes einmal wöchentlich Semaglutid oder Placebo unter die Haut, zusätzlich zu einer Lebensstilberatung. Die Erhaltungsdosis von 2,4 mg wurde schrittweise über 16 Wochen erreicht.
| Wochen | Wochendosis Semaglutid |
|---|---|
| 1–4 | 0,25 mg |
| 5–8 | 0,5 mg |
| 9–12 | 1,0 mg |
| 13–16 | 1,7 mg |
| ab 17 | 2,4 mg |
Nach 68 Wochen lag die mittlere Gewichtsabnahme bei 14,9 % gegenüber 2,4 % unter Placebo; die Hälfte der Semaglutid-Gruppe erreichte mindestens 15 % (Wilding et al. 2021). Dasselbe Schema findet sich in der Fachinformation von Wegovy (EMA).
Tirzepatid in SURMOUNT-1
SURMOUNT-1 verglich drei Erhaltungsdosen. Alle Gruppen begannen mit 2,5 mg pro Woche und stiegen alle vier Wochen um 2,5 mg, bis die zugeteilte Dosis erreicht war. Für die 15-mg-Gruppe dauerte die Steigerung 20 Wochen.
| Gruppe | Erhaltung erreicht ab | Abnahme nach 72 Wochen | Abbruch wegen Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| 5 mg | Woche 5 | −15,0 % | 4,3 % |
| 10 mg | Woche 13 | −19,5 % | 7,1 % |
| 15 mg | Woche 21 | −20,9 % | 6,2 % |
| Placebo | – | −3,1 % | 2,6 % |
Quelle: Jastreboff et al. 2022; Fachinformation Mounjaro.
Retatrutid in der Phase-II-Studie
Die Phase-II-Studie testete bewusst verschiedene Startdosen, um herauszufinden, wie sich die Verträglichkeit steuern lässt. Es gab sechs Wirkstoffgruppen und Placebo, verteilt im Verhältnis 2:1:1:1:1:2:2.
| Gruppe | Startdosis | Abnahme nach 24 Wochen | nach 48 Wochen |
|---|---|---|---|
| 1 mg | 1 mg | −7,2 % | −8,7 % |
| 4 mg | 2 oder 4 mg | −12,9 % | −17,1 % |
| 8 mg | 2 oder 4 mg | −17,3 % | −22,8 % |
| 12 mg | 2 mg | −17,5 % | −24,2 % |
| Placebo | – | −1,6 % | −2,1 % |
Die Magen-Darm-Beschwerden waren dosisabhängig und fielen mit der niedrigeren Startdosis von 2 mg geringer aus als mit 4 mg (Jastreboff et al. 2023). Die Werte für 4 und 8 mg sind über beide Startdosen zusammengefasst.
Melanotan 2 in der Pilotstudie 1996
Die einzige häufig zitierte Humanstudie zu Melanotan 2 dosierte nach Körpergewicht. Drei gesunde Männer erhielten an abwechselnden Tagen MT-II oder Kochsalzlösung unter die Haut, beginnend mit 0,01 mg/kg. Zwei Teilnehmer wurden in Schritten von 0,005 mg/kg bis 0,03 mg/kg gesteigert, einer bis 0,025 mg/kg. Bei 0,03 mg/kg trat bei einem der beiden deutliche Müdigkeit auf. Die Autoren empfahlen 0,025 mg/kg pro Tag als Einzeldosis für weitere Phase-I-Studien (Dorr et al. 1996).
Zum Vergleich: Afamelanotid (Melanotan 1) wird als Implantat mit 16 mg gegeben, das den Wirkstoff über mehrere Wochen abgibt; in den Zulassungsstudien wurde alle 60 Tage ein neues Implantat gesetzt (Langendonk et al. 2015).
GHK-Cu und BPC-157: Konzentrationen statt Dosen
Für GHK-Cu gibt es keine Dosisfindungsstudien am Menschen. Die Literatur arbeitet mit Konzentrationen im Zellmedium: In Fibroblasten begann die Kollagenstimulation bei 10⁻¹² bis 10⁻¹¹ mol/l und war bei 10⁻⁹ mol/l maximal (Maquart et al. 1988). Das sind Nanomol-Bereiche, die man im Labor nur über eine Verdünnungsreihe erreicht.
BPC-157 wird in Tierstudien meist in µg oder ng pro kg Körpergewicht dosiert. Eine Arbeit an Ratten verwendete etwa 50 µg/kg, 10 µg/kg und 10 ng/kg (Balenović et al. 2009). Solche Werte lassen sich nicht auf den Menschen übertragen.
Retatrutid bei Typ-2-Diabetes
Parallel zur Adipositasstudie lief eine Phase-II-Studie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, doppelblind und mit Placebo sowie einem Vergleichspräparat. 281 Erwachsene erhielten Placebo, 1,5 mg Dulaglutid oder Retatrutid mit Erhaltungsdosen von 0,5 bis 12 mg pro Woche, teils mit unterschiedlichen Startdosen. Hauptzielgröße war der Langzeitblutzucker HbA1c nach 24 Wochen: Er sank in der 12-mg-Gruppe um 2,02 Prozentpunkte, unter Dulaglutid um 1,41 und unter Placebo praktisch nicht (−0,01) (Rosenstock et al. 2023). Auch hier waren Magen-Darm-Beschwerden die häufigsten Nebenwirkungen.
Was die Dosen gemeinsam haben
- Alle Inkretin-Studien dosieren einmal pro Woche, möglich durch die Albuminbindung der Fettsäurekette.
- Alle beginnen niedrig und steigern in Vier-Wochen-Schritten.
- Die Erhaltungsdosen liegen im Bereich weniger Milligramm pro Woche, bei Semaglutid sogar darunter.
- Die Wirkung nimmt mit der Dosis zu, die Magen-Darm-Beschwerden ebenfalls.
So lesen Sie eine Dosierungsangabe richtig
Einheit prüfen
mg pro Woche, mg pro Tag oder mg pro kg Körpergewicht? Ein Faktor 1000 zwischen mg und µg ist der häufigste Rechenfehler.
Start- und Erhaltungsdosis trennen
Die in der Überschrift genannte Dosis ist fast immer die Erhaltungsdosis, die erst nach Wochen erreicht wird.
Population beachten
Ergebnisse gelten für die Einschlusskriterien der Studie, zum Beispiel einen BMI ab 30 oder ab 27 mit Begleiterkrankung.
Präparat beachten
Studien verwenden pharmazeutische Präparate mit geprüftem Gehalt. Der Inhalt eines Forschungsvials muss erst gelöst und berechnet werden, siehe Rekonstitution.